Wenn man jemanden den Namen Irrfisch gibt, dann doch nicht, weil es ein temporärer Zustand wäre. Da können Psychfisch und Jurafisch wild gestikulierend um ihn herumschwimmen. Auch sie können seine ‘innere Welt’ nicht erreichen und Lippenbekenntnisse, auch von einem Fischmaul, sind halt nicht von Dauer. Natürlich ist der Elvisfisch eine Steilvorlage für den Irrfisch. Aber auch hier wird sich alles wieder relativieren. Aber es ist die dauerhaftige Sinnlosigkeit der Situation. Es gibt einfach kein erreichbares Ziel und nur den Weg von etwas weg. Kann man sich etwas Unbefriedigenderes als eine derartiges Tagwerk vorstellen. Selbst Sisyphus wäre daran verzweifelt.
Aber ein Schellfisch wäre kein Schellfisch, wenn er jetzt verharrte. Das wird niemals eine Option sein und so geht es voran auf dem ungewissen Weg immer in der Hoffnung, dass jemand dem Irrfisch endlich das Handwerk legt. Natürlich wird das auf direktem Wege nicht passieren, aber die Zeit bringt viele Veränderungen und bis dahin werde ich alle liebenswerten Fische um mich scharen und wir werden gemeinsam weiterschwimmen. Die Gegenströmung wird für den Irrfisch stärker werden und er bleibt zurück. Dieser Richtung kann er nicht dauerhaft folgen, da bin ich sicher. Der Chanelfisch, der Laptopfisch, der Pferdefisch und der Elvisfisch werden immer das Zentrum des unendlichen Ozeans sein. Jeder hat dort seinen unvergänglichen Platz!
Ich habe vom heutigen Tag eigentlich nichts erwartet und wurde darin auch nicht betrogen. Inzwischen sind mir diese Termine, die von langer Hand und sehr bedeutungsvoll angekündigt werden, einfach ein Gräuel! Aber wenn man sich in die Hände der Puppenspieler begibt, darf man sich wohl auch kaum beklagen. Immerhin wurde der Irrfisch heute vom Psychfisch ziemlich in die Schranken gewiesen. Es zeterte, zagte, sträubte sich mit allen Flossen und Schuppen aber es half nichts. Die meiste Zeit schaute ich zu, eigener Worte überdrüssig. Es gibt für mich nichts mehr hinzuzufügen außer, dass mir der Irrfisch einfach egal ist. Er kreist noch immer in seinen alten Bahnen und schnappt nach jeden reminizenten Happen, der den Geschmack alter Zeiten in sich trägt. Von meiner Seite wird es keine Fütterung mehr geben.
Aber was kommt jetzt? Der Irrfisch hat schwimmt im Augenblick auf der ihm zugewiesenen Bahn und ist sich, natürlich, keiner Schuld bewusst. Sein unerschütterliches Selbstverständnis hat er unter seinen Schuppen notdürftig getarnt aber es ist nur eine Frage der Zeit, wann es wieder nach vorne dringt. Immerhin habe ich die Hoffnung, dass der Pferdefisch in der Zwischenzeit so viel Kraft tanken kann, mit dem Chanelfisch und dem Laptopfisch eine Troika zu bilden, die ihren Weg unbeirrbar finden wird. Ein schöner Gedanke und vielleicht ist die Zeit gar nicht mehr fern, aus dem Traum Realität werden zu lassen.
Ob es dem Irrfisch tatsächlich ernst mit seinen Ankündigungen ist (‘Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube…”) wird sich sehr bald herausstellen. Eine Bewährungsprobe hat er noch zu bestehen…
Im großen Aquarium wurde erneut ein Showdown anberaumt. Finalisten sind nun meine Wenigkeit der Schellfisch, ihm Gegenüber der Irrfisch und seziert wird alles fachgerecht vom Psychfisch. Nun könnte man ja den berühmten Spruch des Buffer-Fischs anbringen und alle rufen: ‘Get ready to Rumblefish’, wäre da nicht ein kleiner Haken. Es handelt sich um ein Blackboxtreffen. Niemand weiß etwas Genaues, es gibt weder Regeln, noch Informationen oder gar Hinweise. Aber es ist der Höhe- und Endpunkt eines inoffiziellen Deals, der eine Menge Irritationen ausgelöst hat. Ist das alles noch verständlich? Ich hoffe nicht! Würde ja bedeuten, dass der geneigte Leser mehr versteht, als der Schellfisch.
Ein lustiger Seiteneffekt ist jedoch, dass ich nun endlich weiß, wie sich eine gefühllose Marionette fühlen muss. Der gemeinen Marionette ist es ja durchaus möglich zu erfahren, an welchen Fäden gerade gezogen wird. Dieses ist mir nicht vergönnt und so tapse ich im Augenblick durch die Welt und hoffe, dass dieser Weg, den ich mir beileibe so nicht ausgesucht hätte, tatsächlich zu einem Ziel und nicht in die Apokalypse führt. Ist dieses ominöse Datum überschritten, werde ich flugs die Schere zücken und mich befreien. Ohne Wenn und Aber. Darauf mein Wort!
Ich mag Mikado! Unter Wasser ist es nicht wesentlich anders zu spielen und die Regeln sind die gleichen. Gerade jetzt habe ich den Eindruck, mein Leben besteht aus diesen vielen bunten Stäbchen. Am Anfang schien alles ganz stabil. Dabei merkte ich gar nicht, dass jedesmal, wenn das fragile Gebilde einzustürzen drohte, von unsichtbarer Hand heimlich ein Stäbchen hinzugefügt wurde. Die spannende Frage hierbei ist nur, wollte oder konnte ich es nicht sehen? Müßig, darüber jetzt zu philosophieren. Letztendlich stürzten die Stäbchen in einem wilden Beben auseinander. Unmöglich, den alten Zustand zu rekonstruieren. Aber das möchte ich auch gar nicht. So viel Mühe wie ich mir gegeben habe, eine viel schönere, modernere Konstruktion zu entwerfen. Die untauglichen Hölzchen wurden entfernt, was nicht einfach war. Ein paar neue kamen dazu und schon bald hatte ich den Eindruck, alles passe auf natürliche Art zusammen. Aber man soll den Tag wohl nicht vor dem Abend loben. Die Sonne, wenn sie hinter dem Horizont des Meeres versinkt, verschwindet ja auch nicht tatsächlich in den dunklen Tiefen.
Gerade jetzt ereilt mich die Erkenntnis, dass jedes Wackeln an der einen Seite, auch eine Bewegung auf einer ganz anderen nach sich zieht. Ich finde das ist nicht schlimm, aber es verstößt wohl gegen die Regeln. Ein wenig hatte ich gehofft, dass der neue Plan auch neue Regeln beinhaltet…
Es wäre wohl zu einfach gewesen! Meine Bereitschaft für Kompromisse sinkt kontinuierlich und tendiert ganz klar gegen Null. Wozu nützen die besten Erkenntnisse und Offenbarungen, wenn sie zu Schlußfolgerungen führen, die nur neue Wunden aufreißen, um andere notdürftig zu verschließen? Manchmal verstehe ich diese Welt nicht mehr und frage mich, warum ein kleiner Sieg immer mit einem Opfer abgegolten werden muss? Der Psychfisch hat wohl erkannt, was die Zeichen der Zeit sind, aber auch er wählt den bedächtigen Weg. Basierend auf einer falschen Grundannahme sehe ich auch hier den Lichtstreif am Horizont sanft entschwinden. Der Irrfisch wird langfristig nicht triumphieren, aber der Preis ist jetzt schon viel zu hoch.
Morgen werde ich alle Seepferdchen sehen und auch sie werden nicht ungetrübt in diesen Tag hineingehen. Das kann mich nicht beirren, bestärkt mich jedoch in dem Empfinden, dass man nur dann Hilfe erfährt, wenn man sie sich selber gewährt. Wieder auf dem schlammigen Meeresgrund abgesunken starte ich wieder an die Oberfläche durch…
Hat es etwas mit Weihnachten zu tun? Man weiß es nicht! Aber gerade rechtzeitig zur festlichen Zeit, war es mir heute vergönnt, aus den schlammigen Tiefen bis kurz unter die Oberfläche aufzutauchen. Der Psychfisch hat offensichtlich tatsächlich den Schaltplan des Irrfischs verstanden und an den richtigen Reglern ein wenig justiert. Vielleicht musste er auch viel justieren aber das spielt keine Rolle. Der Pferdefisch hat eine unvorstellbare Last abwerfen können und schwamm munter wie ein Delphin durch klares Wasser, befreit von den meisten düsteren Tentakeln, die ihn zu halten suchten. Es tut mir unglaublich gut, das gestehe ich gerne ein und ich möchte alle Fische und ganz besonders den Kitafisch umarmen. Wenn jemand mich immer wieder vor dem Versinken gerettet hat, mir Kraft und Mut zusprach, dann er. Ich weiß, er würde sich für mich aufgeben, so wie ich für ihn. Aber vielleicht bahnt uns der Psychefisch einen Weg aus diesem Strudel, der schon viel zu viele Opfer gefordert hat. Ich bin gerade dabei, meinen Glauben an Gerechtigkeit wiederzufinden. Könnte es ein schöneres Geschenk für das Fest geben?
Heute beginnt der Showdown. Irgendwie zumindest. Manchmal habe ich das Gefühl, auf jeden Schritt nach vorne folgt ein halber zurück. Doch heute wird gegraben und zwar tief. Der Irrfisch wird sich winden, davon bin ich überzeugt. Schließlich war es auch für mich schon nicht angenehm. Ich mag nicht daran denken, was der Psychfisch finden mag, wenn er die Oberfläche durchstoßen hat. Gestern las ich im ‘Science Fish Journal’ einen Bericht über Psychopathen-Fische. Anhand von 17 Fragen kann man feststellen, ob man schon einmal einem ‘wasserdichten’ Exemplar begegnet ist. Wie groß war mein Entsetzen, als ich die Fragen für den Irrfisch fast ausnahmslos mit ‘ja’ beantworten konnte. Zwei Drittel hätten bereits genügt, aber es gab nur wenig, was zu verneinen war. Dazu noch die nächste Bösartigkeit gegenüber dem Pferdefisch und dem Laptopfisch. Inzwischen befürchte ich Dinge, die man vielleicht in Horrorfilmen erwartet, aber nie im ‘normalen’ Leben anzutreffen hofft.
Gerade jetzt sollte ein Zwiebelhäutchen nach dem anderen dem Irrfisch entwunden werden. Ich bin sicher, je tiefer man dringt, desto dunkler wird es werden…
Seit gestern ist nun auch der letzte Spieler, der Psych-Fisch im Rennen. Die Seepferdchen haben inzwischen aufgehört zu zählen, mit wem sie alles schon sprechen mussten. Eine Menge Fische treiben im Augenblick durchs Wasser. Die Jura-Fische schwimmen auf ihren vorgefertigten Bahnen. Der Jugend-Fisch hat treibt ein wenig abseits, man bekommt ihn nur gelegentlich zu sehen und es ist nicht ganz klar, welche Strömungen ihn treiben. Dann gibt es ja noch den Bestimmerfisch aber der erscheint im Moment ganz weit weg obwohl mit lieber wäre, dass ihm mehr Zeit gegeben wäre. Zum Glück ist da noch der Rechtsfisch und er ist der Barracuda, der selbst dem Irrfisch Respekt einflößt. Ja der Irrfisch! Inzwischen hat er sich eine neue, ganz tolle Eigenschaft, erschlossen. Perfiden Zynismus! Bravo Irrfisch! Du entwickelst unglaublich in eine Richtung, in die kein anderer Fisch jemals freiwillig schwimmen würde. Aber nun hat sich der Kreis mit dem Psych-Fisch geschlossen. Der Psych-Fisch verfügt über einen durchdringenden Blick. Er blickt hinter finstere Gespinste, schaut dahin, wo es keine verklärenden Sichten mehr gibt. Ich setze große Erwartungen in ihn und wünsche mir zutiefst, dass die Worte der Seepferdchen nun einen Damm brechen lassen, der die schlechten Wässer hinaus sprengen wird.
Es mag dem Irrfisch vielleicht gelingen, dem Pferdefisch wieder einen Traum zu stehlen. Aber die Jurafische haben reagiert und der Irrfisch wird seinen Triumph teuer erkaufen. Im Augenblick schwimmt er auf sehr unsichere Gewässer zu und dort lauern ganz viele Fallen. Viel mehr, als er sich jemals vorstellen kann. Dumm nur, dass solche Erkenntnisse ihn erst erreichen, wenn sie direkt vor ihm auf und ab schwimmen. Er ist nicht der hellste Fisch wenn es darum geht, die Realität als das zu verstehen, was sie ist. Irgendwie habe ich das Gefühl, nicht nur im Kreis geschwommen zu sein und irgendwie tut es mir gut…
Wie böse kann ein einzelner Fisch sein? Selbst der Irrfisch erklimmt immer neue Höhen oder sollte ich besser sagen, grauenvolle Tiefen. Seine kleinen Siege erkauft er sich nicht durch seine Klugheit, Verschlagenheit oder Intelligenz. Davon besitzt er nur einen dunklen Anteil. Er erkauft sie sich mit dem Leid der Seepferdchen und ganz besonders der Pferdefisch wurde zum langfristigen Opfer auserkoren. Aber ich werde alle drei Seepferdchen nicht alleine lassen, niemals! Je mehr ich kämpfe, desto stärker werde ich. Das ist bei Schellfischen oft der Fall und darum legt sich selten jemand gerne mit ihnen an. Sind sie ansonsten immer sehr nachsichtig und zurückhaltend, so ist doch ihr Gerechtigkeitsempfinden hervorragend ausgeprägt und hier werden keine Abstriche gemacht.
Ich verspreche dem Irrfisch eine Menge Erfahrungen, auf die er lieber verzichtet hätte. Er hat in den letzten Monaten seine Fischlichkeit komplett abgelegt und nährt sich von der Reinheit unschuldiger Wesen. Aber immer mehr andere Fische erkennen dies wenden sich ab und die Jurafische werden irgendwann dem unseligen Treiben Einhalt gebieten. Bis dahin werde ich all meine Kraft den Seepferdchen und natürlich dem Elvis-Fisch widmen…