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Nachdem ich ja nun wieder an die Oberfläche geschwommen bin und ein wenig zurückblicke gibt es eine Menge Dinge, die mich bewegen. Auch die Fische haben sich geändert, dass habe ich zu spüren bekommen. Es wird nichts daran ändern, dass ich immer für sie da sein werde und vielleicht sehe ich auch manche Dinge zu sehr im Vergleich zu meiner eigenen Vergangenheit.
Dem Pferdefisch geht es jedenfalls ausgezeichnet und er entwickelt sich prächtig. Es war ein ausgezeichneter Schritt, den Weg in unsere Strömung zu suchen und mehr denn je ist mir bewusst, dass er hier angekommen ist, auch wenn der Irrfisch das niemals verstehen wird. Der Laptopfisch schwimmt in hauptstädtischen Gewässern und fühlt sich dort pudelwohl. Natürlich sind seine Ufer ganz andere und dort zu landen fordert seinen Preis. Der Laptopfisch zahlt ihn. Ich kann es verstehen, einen Teil zumindest.
Der Babyfisch erobert jeden Tag aufs Neue die Welt. Inzwischen ist er mobil und prüft ständig die Geduld seiner Umfeld. Da zupft er mal an den Flossen anderer kleiner Fische und wenn diese entnervt flüchten, folgt er ihnen auf dem Fuße und freut sich über das tolle Spiel! Alles und jedes wird in einer Sprache kommentiert, die zwar keiner versteht, die jedoch nicht minder inhaltsvoll ist. Ich bin sicher, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ein paar kleine Hörnchen seine Stirn zieren werden und es werden keine Beulen sein!
In den letzten beiden Tagen passierten erstaunliche Dinge. Der Pferdefisch tritt nun seine einwöchige Strudeltour durch die thüringische Gewässer an. Er freute sich schon sehr auf die beiden Seehunde und auch auf den Marathonfisch und die beiden Grandfische. Ganz spannend wurde es jedoch, als auch der Laptopfisch und der Chanelfisch sich uns anschlossen. Gut, sie drehen nur eine Runde durch die gebirgigen Wässer. Es war ein Anblick reinster Freude und Gelöstheit. Ein Moment perfekter Idylle, gäbe es da nicht noch den Irrfisch, der alle Erdenkliche tut, aus der Ferne dieses Glück zu zerstören. Sein Einfluss ist unheimlich und nur die vereinte Macht aller anderen Fische kann ihm Einhalt gebieten. Wie schlimm muss es um diesen Fisch stehen, wenn er auch nicht davor zurückschreckt, niederste Instinkte auzuspielen. Er spürt, dass seine Zeit im schwinden begriffen ist und teilt nach allen Seiten aus. Konstant nur in seiner Unberechenkeit. Es ist ein armer, kranker Fisch, der seinen Irrsinn nicht erkennt und stets die Welt nur durch die Brille des Chaos betrachtet. Dabei übersieht er, dass auch die Seepferdchen immer mehr erkennen, dass er Hilfe benötigt und sie seinen Worten keinen Glauben mehr schenken dürfen. Es ist schlimm für sie und auch ich fühle mich schuldig daran. Schuldig, es nicht verhindern zu können. Schuldig, mich nicht schützend vor sie stellen zu können. Aber ich werde immer für meine vier Seepferdchen zur Stelle sein, wenn sie mich brauchen!
So groß wird der Kopf des Chanelfischs nie wieder sein! Vollgestopft mit dem Allgemeinwissen unserer Zeit und insbesondere am heutigen Tag mit dem Almanach der Weltgeschichte in hundert Bänden.
In diesem Augenblick schreibt auch sie Geschichte und ich bin ziemlich stolz auf meinen großen Fisch. Gerade im letzten Jahr war es sehr schwer, nicht an ihrer Seite schwimmen zu können. Jetzt stößt sie die Tür auf in etwas, dass man ‘das wahre Leben’ nennt. Oder verwechsle ich das jetzt mit dem Alltag?
Auf jeden Fall bin ich sehr gespannt, welche Strömungen sie in der Zukunft treiben werden. Das ich hin und wieder mal störendes Treibholz entferne, liegt ja auf der Flosse!
Da hat der Pferdefisch nun doch die Kurve gekriegt und entpuppt sich seit heute als Teenfisch. Ihm selber war dieser Gedanke zu Beginn nicht ganz geheuer, entfaltete dann jedoch einen speziellen Reiz. Schade, dass ich das Fischlein nicht selber umflossen konnte aber das ist eine der Untiefen, die mich nun begleitet. Ich denke, es war ein toller Geburtstag! Vermutlich wurde der Playmobil-Themenpark um ein paar Straßenzüge erweitert und die Karte für den Gaga-Fisch hat wohl auch recht gut eingeschlagen. Jetzt ruht der kleine Pferdefisch ganz bestimmt und ich schicke ihm einen Traum von wilden Pferden, hoppelnden Kuschelkaninchen und treublickenden Hunden. Was braucht man mehr auf dieser Welt?
Das Gleichgewicht wird sich verschieben, ein weiterer Fisch greift in das Geschehen ein. Vermutlich ist ihm das noch nicht einmal bewusst aber seine Rolle wird nicht unerheblich sein. Der Pferdefisch kennt ihn bereits am besten, die beiden anderen Fische sind ein wenig skeptisch und durch die Ränke der Vergangenheit auch vorsichtig. Dem Kitafisch sind einige Kiesel aus den Schuppen gefallen und seine Bahnen werden ein wenig ruhiger werden. Im Augenblick gibt es nur wenige gekräuselte Wellen aber ich traue dem Frieden keineswegs. Die nächsten Ereignisse haben bereits ihren Schatten geworfen und ich bin überzeugt, wir befinden uns jetzt im Auge eines großen Strudels, der aber bald wieder mit gierigen Fängen nach uns greifen wird. Mir ist nicht bange, bin ich doch ein Schellfisch und spüre schon die Verstärkung von Mr. L6 hinter meiner Rückenflosse. Die Zeit wird es zeigen, wohin die Strömung uns nun trägt.
PressFisch: Irrfisch, stellst du dich mal kurz vor?!
Irrfisch: Ich bin der Irrfisch wobei ich nicht verstehe, wie ich zu diesem Namen gekommen bin. Aber ich bin toll. Ich bin so toll, dass ich mich jeden Tag anschauen muss.
PressFisch: Du schwimmst also gerne vor dem Spiegel auf und ab?
Irrfisch: Der Spiegel lügt. Dort sehe ich nicht gut aus. Ich habe mein Foto neben dem Bett es ist so wahnsinnig schön, ich bin richtig verliebt in mich. Klug, schön, intelligent, eloquent…
PressFisch: Ähem ja, wenn ich kurz unterbrechen darf. Wenn das Foto so wichtig ist, muss du aufpassen, dass es nicht gestohlen wird, ha ha ha…
Irrfisch: Oh, keine Bange. Ich schließe immer zu. Niemand betritt diesen Raum, selbst die Seepferdchen nicht!
PressFisch: Apropos Seepferdchen. Du hast davon drei oder?
Irrfisch: Ja, drei. Aber zwei davon sind einfach nur Verräter, denen traue ich nicht. Sie wollen immer nur mein Geld und sind oft garstig zu mir. Dabei meine ich es doch nur gut aber sie sind zu dumm, dass zu erkennen. Sie sind Schmarotzer aber sie interessieren mich auch nicht mehr.
PressFisch: Das finde ich ziemlich heftig. Was ist mit dem dritten Seepferdchen?
Irrfisch: Ach, das dritte Seepferdchen gehört ganz alleine mir. Ich lese ihm jeden Wunsch von den Augen ab und kümmere mich darum, dass es keine Fehler macht. Die anderen beiden sind nur störrisch aber das kleine Seepferdchen hört auf Mama. Denn Mama Irrfisch weiß, was gut ist. Oh ja, dass weiß ich immer. Viele Menschen wissen das nicht und ich helfe ihnen dabei, es zu lernen. Sie sind dumm und erkennen nicht die Wahrheit. Ich kenne die Wahrheit. Ich erkenne sie sofort, dass kann ich sooooo gut.
PressFisch: Denkt das kleine Seepferdchen ebenso?
Irrfisch: Es ist auch bereits etwas störrisch (der Irrfisch schüttelt verdrießlich seine Schuppen – Anm. d. Redaktion). Der Laptopfisch und der Chanelfisch haben einen schlechten Einfluss. (der Irrfisch flüstert und kneift die silberblickenden Augen zusammen). Noch schlimmer sind der Schellfisch und der Kitafisch. Sie haben sich gegen mich verschworen aber sie bekommen den Pferdefisch nicht. Oh nein, der gehört mir, mir ganz alleine. Sogar der Jurafisch ist ihnen auf den Leim gegangen aber ich habe sie ausgetrickst, hihi, war ganz einfach. Jetzt ist wieder alles gut für mich. Die Welt wartet schließlich auf mich. Hatte ich das schon erwähnt?
PressFisch: Räusper, nein. Ja, vielen Dank für das Gespräch. Ich hoffe, wir sehen uns nicht wieder!
Irrfisch: Vielen Dank. Ich denke, dass war ein bemerkenswertes Interview!
PressFisch: In der Tat!
Wenn der Irrfisch im Quadrat schwimmt muss etwas in seiner Welt ganz gewaltig nicht stimmen. Da er seine Welt ständig und selber erschafft, ist es nicht einfach, durch diese, sonst so undurchdringlichen Wände, hindurch zu gelangen. Aber nun stehen zwei Treffen mit dem Jurafisch ins Haus. Die Seepferdchen sind noch etwas verängstigt aber zuversichtlich. Der Irrfisch brodelt und keift, paddelt, Gischt aufwirbelnd, wild durch das Wasser. Er kann es nicht ertragen, dass man seine Welt in Zweifel zieht und wird seinem Namen von Tag zu Tag gerechter.
Es ist erschreckend, welche Abgründe sich hier eröffnen und wie schnell selbst tief verankerte Bindungen aufbrechen und beiseite geschoben werden. Ich hoffe sehr, dass auch der Jurafisch das sehen und erkennen wird. High Noon ist dann am vorletzten Tag des Monats im Reich des Jurafischs und wenn mein Glauben an Gerechtigkeit nicht zutiefst erschüttert werden soll, erwarte ich eine Lösung für die Seepferdchen. Ihre Bewegungen sind in den letzten Wochen lange nicht mehr so fröhlich, wie ich sie in Erinnerung habe. Der böse Atem des Irrfischs hat sie zermürbt, zehrt an ihren Kräften. Aber egal, wie die Entscheidung ausfallen wird, ich werde mich immer vor die Seepferdchen stellen, vor ihnen auf und ab schwimmen das Böse zu vertreiben suchen. Drückt mir alle Flossen, dass das Wasser seine trüben Schleier verlieren wird und auch der Irrfisch endlich bekommt, was er braucht: Hilfe!!
Der Pferdefisch ist einer der liebsten und schelmischsten Fische, die durch die Weiten des Ozeans planschen. Er verdankt seinen Namen keineswegs seinem Aussehen, sondern seiner Vorliebe für Seepferdchen, von denen er am liebsten alle auf seinen Algenwiesen weiden lassen möchte. Er beherrscht den ultimativen ‘Bitte-Bitte-Blick’ und und kuschelt vorzugsweise mit flauschigen Seehäschen. Auch wenn man meint, der Pferdefisch sei noch klein, so entgeht seinen scharfen Augen nichts, was in dieser Welt geschieht. Falschheit und Neid sind ihm völlig fremd und wäre er ein Stern, sein Licht würde alle anderen Sterne am Firnament mit lustigem Leuchten überstrahlen. Er gehört zu einer immer seltener werdenden Gattung der Tugendfische und verkraftet falsche Pflege nur sehr schwer. Man sollte es ja kaum glauben, dass diesem kleinen Unterwasserengel etwas Böses geschehen könnte. Aber da gibt es ja den Irrfisch, der mit perfiden Mitteln immer wieder seine giftigen Tentakel ausstreckt. Doch der Pferdefisch ist nicht alleine! Ihm zur Seite stehen viele gute Geister, die sich um sein Wohl sorgen und dem Irrfisch den Garaus machen werden.

Es gibt ein ganz besonders grässliche Gattung aus dem Reich der Fische: den Irrfisch!Früher war ich der Meinung, so einen Irrfisch gibt es in der Realität gar nicht. Man schaut ihn in gruseligem Unterwasserhorror oder liest im speckigen Tagesblatt davon. Heute traf ich jedoch wieder dem schlimmsten Vertreter seiner Gattung. Nicht genug, dass er, die schielenden Glubschaugen weit aufgerissen, langsam um mein Unterwassergefährt herumgeschlichen ist. Nein, er griff ganz tief in seine Ego-Fisch-Psyche und blubbert Wortfetzen vor sich hin, die Geifer gleich, aus seinem Maule troffen. Er schrie mir entgegen, Wasserwirtschaft studiert zu haben. Auch hätte ich ein Attentat mit einem Zitteraal geplant. Von langer Flosse natürlich! Dabei schwamm er unsteten Blicks auf und ab, so dass es mich fröstelte. Nur gut, dass der Kita-Fisch alles mitverfolgen konnte. Denn wie heißt es so schön: Geteilter Grusel ist halber Grusel.
Jetzt schwimmt der Irrfisch wie besessen durch die dunklen Höhlen seines geistig umnachteten Verstands, sieht sich selber auf anmutigen Höhen wandeln und verängstigt andere kleine Fische. Dem Irrfisch kann geholfen werden wenn man ihn rechtzeitig an den Kiemen packt und dem Doktorfisch vorstellt. Ich kann nur hoffen, dass es noch nicht zu spät für ihn ist. Aber ich befürchte, hier sind Algen und Plankton schon seit geraumer Zeit verloren. Möge ihm der große weiße Hai begegnen!

Der Wahl-Fisch (piscarius electio) ist ein ganz spezieller Fisch. Er ist gesegnet mit vielen Eigenschaften, über die wir Normal-Fische nur ehrfürchtig staunen können. Er geht beispielsweise grundsätzlich davon aus, dass ihn alle anderen Fische lieben. Die, die es nicht tun, sind sich dessen nur noch nicht bewusst. Auch das Wort ‘Niederlage’ existiert nicht in seinem Blubberwortschatz. Seine Fähigkeiten zur Interpretation sind überdurchschnittlich entwickelt. Schneidet er bei einer Bundesschwarmwahl mal nicht so gut ab, wird seine erste Erkenntnis sein, dass es den anderen Wahl-Fischen auch nicht sooooo viel besser ergangen ist.
Der Wahl-Fisch nimmt eine sehr starke Differenzierung zwischen Gut und Böse vor. Alles was an positiven Errungenschaften den anderen Fischlein zugute kommt, hat er im Schweiße seiner Schuppen erschaffen. Wenn etwas nicht optimal läuft, liegt es an den schwerwiegenden Verfehlungen anderer Wahl-Fische, aus links- oder rechtsdrehenden Schwärmen.
Ein weiteres herausstechendes Merkmal ist sein Gedächtnis. Es arbeitet bisweilen so selektiv, dass er Versprechungen und Ankündigungen, die während des Schwarmwahlkampf gemacht wurden, nicht mehr rekapitulieren kann, respektive sie reinterpretiert. Das ist eine herausragende Fähigkeit und verleiht dem Wahl-Fisch eine entsprechende Dynamik in der Meinungsbildung. Besonders bei der Entfaltung von Zukunftsplänen läuft er zur Höchstform auf. Ob es sich nun darum handelt, Haifische zu Vegetariern zu bekehren, alle Tümmler in ‘Lohn und Brot’ zu bringen oder den Doktorfisch umsonst arbeiten zu lassen, sein Anspruch ist gewaltig. Deswegen ist er ein ganz besonders wichtiger Fisch, der leider viel zu oft verkannt wird.
