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In den vergangenen 18 Monaten gab es für den Schellfisch eine Menge Erlebnisse. Viele waren ganz toll und schufen unglaubliche, erfüllte Stunden. Aber da gab es auch viel pechschwarzes Wasser, das immer wieder meinen Weg kreuzte. Auch hier ein (negatives) Highlight nach dem anderen. Aber nun hat sich die Clique der berufenen Problemlösungsfische in ganz neue Höhen (oder besser Tiefen) begeben. Zuvor drängten sie mich übergangsweise in den Untergrund, von dem aus der Schellfisch nun als Partisan weiterkämpfen wird.
Also begab es sich, dass der Richterfisch, aka Jurafisch, die Anwaltsfische, der Irrfisch, der Jugendfisch und der Verfahrensfisch sich erneut auf dem Schlachtfelde trafen. Zugegen auch der Pferdefisch, der sich gar wacker geschlagen hat und alle, außer dem Irrfisch und dessen Anwaltsfisch, von seiner Redlichkeit überzeugen konnte. Eine Qualität hat der Irrfisch jedoch. Es ist ihm tatsächlich gelungen, seinen getrübten Blick und seine Einbahnströmungsansichten genetisch auf seinen juristischen Begleitfisch zu übertragen. Sollte es sich um einen ansteckenden Virus handeln, ist Ebola ein harmloser Schnupfen dagegen. Nur der Verfahrensfisch bewies Standhaftigkeit in dieser Inszenierung einer Farce. Der Richterfisch wand sich wie ein Aal und muss nun wohl doch seinen Eid brechen, niemals eine Entscheidung im Amte zu treffen. Allerdings bedingte er sich dafür eine Aufschub aus, um sich mental auf dieses für ihn unglaubliche Ereignis einzustellen.
Ich wage kaum zu hoffen, dass der Richterfisch über die goldene Brücke tatsächlich geht, die ihm der Verfahrensfisch gebaut hat. Was wären wir ohne ihn? Bald werden wir es wissen. Eins stimmt mich jedoch sehr zuversichtlich, der Pferdefisch ist in der Bahn und von dort holt ihn niemand mehr zurück.
Manchmal liest von von Ereignissen oder schaut sich unglaubliche Vorfälle an. Es gibt Fische, jenseits aller Vorstellungen. Ein Eigenbild, dass nicht die Spur eines Kratzers zulässt. Egoistisches, dummes Gehabe zur Befriedigung der eigenen narzisstischen Ansprüche. Fische, die alles, aber wirklich alles opfern, nur um ihr eigenes Scheitern mühsam zu kaschieren. Sie schwimmen durch diese Welt, hängen am Tropf, der von außen genährt wird und wiegen sich in einem Erfolg, den sie nie hatten. Wie schrecklich müssen die Kindertage solcher Fische gewesen sein, um sie so zu einem Zerrbild eines Fisches zu machen? Was passiert, wenn ihre Welt, trotz permanenten Einsatzes, erste Risse bekommt? Wie lässt sich das mit der eigenen Unfehlbarkeit vereinbaren? Durch mehr Makulatur vielleicht? Ist das Wahnsinn oder Methode? Gewiss ist nur, es gibt keine Gewinner und alle verlieren einen Teil ihres Selbst.
Da wäre die R-Lösung viel einfacher und kostengünstiger gewesen…
Wie hilft man einem Fisch, dem die Unterwasserdukaten, egal wie viele es sind, stets durch die Flossen rinnen? Richtig! Man gibt ihm noch mehr. So geschehen mit dem Irrfisch, der sich um schnöde Finanzplanung einen Kehricht schert. Der Richterfisch ist jedoch der Meinung, dass es eine gute Möglichkeit ist, Dukatenscheine in noch größerem Maße zu verbrennen. Einerseits bin ich ja froh, dass es ihn überhaupt noch gibt, den Richterfisch! Hatte er sich doch zeitweise schmollend in sein Refugium zurückgezogen und meditiert. Leider sind die Zahlen und Fakten dass seine nicht. Nur noch übertroffen vom Unwillen, tatsächlich eine Entscheidung zu treffen. Dabei sind es bei ihm noch einige Jahre bis zur Pension. Das erinnert fatal an Major Major Major!
Aber wieder ist ein Stück Weges zurückgelegt und ich hoffe zumindest, dass diese ganze Farce sich langsam dem Ende nähert. Dabei steht der Höhepunkt (oder die die Höhepunkte) ja noch aus. Jedoch darüber zu berichten, ist es noch nicht an der Zeit!
In den kommenden drei Monaten bahnen sich eine Menge Veränderungen an.
- Der Chanelfisch ist schon fast wieder unterwegs in die Stadt der Mode und der Liebe. Trotz des ganzen Ärgers (so richtig massiven Ärgers) und der vielen Enttäuschungen, die er mir bereitet hat, wünsche ich ihm alles Gute für das kommende Jahr. Es gibt im Leben nicht oft eine Chance, eine Sackgasse zu verlassen. Auch jetzt werde ich mich bemühen, ihm zu helfen, wo immer ich kann, aber nicht mehr mit allen Mitteln. Bon Voyage, Chanelfisch!
- Der Laptopfisch macht mich immer wieder sehr stolz. Trotz aller Widrigkeiten hat er begonnen, seinen Vorrat von Unterwasserperlen selber zu vergrößern. Er ist sehr fleißig und ich bin mir sicher, er wird seinen Weg finden. Mag seine Situation im Moment auch noch so aussichtslos sein, es öffnen sich immer wieder neue Türen. Wann immer er mich braucht, werde ich ihm mit aller Kraft zur Seite stehen. Allerdings müssen wir zuvor noch ein wenig an den Rechenkünsten feilen. Darauf freue ich mich besonders!
- Der Pferdefisch wird erwachsen! Neben besonderer Flossen- und Atemlochgröße zeichnet er sich immer mehr durch einen ganz tollen Charakter und großen Gerechtigkeitssinn aus. Als chinesisches Kaninchen steht er mit allen anderen Tieren (bevorzugt: Wasserhasen, Seehunden und Seepferdchen) auf Du und Du. Auch für ihn wird sich vieles ändern, zum Besseren!
- Der Irrfisch wird bald zeigen müssen, ob er alleine im Ozean überleben kann. Ich bezweifle dies stark. Da er des ‘Kaisers neue Kleider’ tatsächlich sehen kann, wird sich ihm die wahre Welt wohl kaum erschließen.
- Der Kitafisch ist ein toller Mutterfisch! Immer souveräner löst er alle Probleme und Problemchen und bereitet dem L-Fisch Tage, angefüllt mit Liebe und Fürsorge. Es ist unglaublich schön zu wissen, dass ich mich immer und zu jeder Zeit auf ihn verlassen kann. Dafür liebe ich ihn sehr!
- Der L-Fisch möchte in der Zukunft offensichtlich ein Zehnkämpferfisch werden. Schon jetzt trainiert er reichlich seine Arme und Beine und legt jeden Tag mindestens 6 Seemeilen zurück. Hier muss er noch geschoben werden, aber seine wachen Äuglein verfolgen jede Bewegung. Auch möchte er sprechen und ganz bestimmt den Kitafisch rufen (so sieht es zumindest aus!) Ab morgen bekommt er sein neues Büro bei den Krippenfischen, die den kleinen Chef-Fisch schon ungeduldig erwarten.
- Der Heizungspfeifer hat sich irgendwann letzte Woche bei uns eingeschlichen und verblüfft uns Tag und Nacht durch ein munteres Tuten. Da er auf Zuspruch nicht reagierte, werden sich nun die Klempnerfische um ihn kümmern und möglichst exorzieren!
So, damit ist mal wieder alles gesagt und ich harre gespannt der Dinge, die ihre Schatten immer deutlicher voraus werfen.
Wider allen Erwartungen wird das Jahr noch Veränderungen mit sich bringen. Nicht, dass sich bisher nichts getan hätte. Auf der Haben-Seite ist eine Menge passiert (man beachte hier nur den Babyfisch!). Wer jetzt flugs an die Jurafische denkt, den muss ich leider auch enttäuschen. Sie unterliegen offensichtlich keinerlei temporärer Gesetzmäßigkeiten und bewegen sich im freien Raum (Wasser), was ihre Entscheidungsfähigkeit betrifft.
Es ist die Bleibe des Irrfischs und der beiden Seepferdchen, die sich nun verändern wird. Den Schmerz, den der Laptopfisch nun empfinden mag, kann ich mit keinem Maß der Welt auffangen. Er macht mich hilflos und traurig und wütend auf den Irrfisch, der nur in dieser einen zerstörerischen Strömung zu schwimmen weiß und noch immer überzeugt ist, dass alles, was er tut, recht und angemessen ist. Hier kommt jedwede Hilfe zu spät und somit trifft es die Seepferdchen mit aller Härte. Ich möchte Ihnen so gerne helfen, aber die Zeit dafür ist noch nicht reif, obwohl ein Lichtstreif bereits am Horizont existiert. Der Chanelfisch, inzwischen auf einer eigenen Strömung treibend und abgekoppelt vom Rest des Ozeans, wird nun seinen zweiten Versuch starten, dem Ursprung seiner Namensgeberin zu folgen. Ich wünsche ihm viel Glück, aber ich habe große Bedenken, dass auch er die Welt nicht sieht, wie sie ist. Habe ich tatsächlich so viel falsch gemacht? Aus zeitlicher Ferne, schauen viele Dinge einfacher aus. Nähert man sich ihnen, werden sie zu polternden Ungetümen, die sich zerstörerisch ihren Weg bahnen. Ich hoffe, es ist nicht zu spät…
In den letzten beiden Tagen passierten erstaunliche Dinge. Der Pferdefisch tritt nun seine einwöchige Strudeltour durch die thüringische Gewässer an. Er freute sich schon sehr auf die beiden Seehunde und auch auf den Marathonfisch und die beiden Grandfische. Ganz spannend wurde es jedoch, als auch der Laptopfisch und der Chanelfisch sich uns anschlossen. Gut, sie drehen nur eine Runde durch die gebirgigen Wässer. Es war ein Anblick reinster Freude und Gelöstheit. Ein Moment perfekter Idylle, gäbe es da nicht noch den Irrfisch, der alle Erdenkliche tut, aus der Ferne dieses Glück zu zerstören. Sein Einfluss ist unheimlich und nur die vereinte Macht aller anderen Fische kann ihm Einhalt gebieten. Wie schlimm muss es um diesen Fisch stehen, wenn er auch nicht davor zurückschreckt, niederste Instinkte auzuspielen. Er spürt, dass seine Zeit im schwinden begriffen ist und teilt nach allen Seiten aus. Konstant nur in seiner Unberechenkeit. Es ist ein armer, kranker Fisch, der seinen Irrsinn nicht erkennt und stets die Welt nur durch die Brille des Chaos betrachtet. Dabei übersieht er, dass auch die Seepferdchen immer mehr erkennen, dass er Hilfe benötigt und sie seinen Worten keinen Glauben mehr schenken dürfen. Es ist schlimm für sie und auch ich fühle mich schuldig daran. Schuldig, es nicht verhindern zu können. Schuldig, mich nicht schützend vor sie stellen zu können. Aber ich werde immer für meine vier Seepferdchen zur Stelle sein, wenn sie mich brauchen!
Wozu das alles? Heute ist ein Tag, an dem ich in den Marianengraben abtauchen und einfach verschwinden möchte…
[Zwanzig Minuten später]
Ich lese gerade den letzten Teil von Prechts “Wer bin ich…?” und bin gerade auf Epikur gestoßen. Seine fünfte Regel besagt: Gute Gedanken! Dostojewski hat es folgendermaßen auf den Punkt gebracht: “Alles ist gut. Alles. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort, im selben Augenblick.“
Es gibt Momente, an denen sollte man, entgegen allen inneren Schweinhunden, Hürden, Zeter und Mordio schreienden Furien und grabestiefen Gedanken, einfach die Tür öffnen und diesen Ort der geistigen Selbstverdammnis verlassen. DAS habe ich hiermit getan…!
Es gibt Tage, da fühle ich mich wie der Felsen in der Brandung. Souverän und unumstößlich trotze ich den Widrigkeiten des Lebens. Dann kommen andere Tage und ich spüre, dass die stete Brandung an mir nagt. Heute war es der Laptopfisch, der mich in seiner Traurigkeit und Frustration zutiefst erschüttert hat. Was nützt der härteste Fels, wenn er sich nicht bewegen und schützend vor den kleinen Fisch stellen kann? Warum gibt es keine Worte, die ich ihm sagen kann, um sein Herz zu öffnen? Er ist der tapferste, duldsamste, vernünftigste und traurigste der drei Fische. Seine Sicht geht weiter, als die des Chanel- und des Irrfischs zusammen. Sein Weg enthält die meisten Untiefen. Klaglos zieht er verlassen auf seiner Bahn dahin. Wie kann ich ihm nur sagen, dass ich stets an seiner Seite schwimme und bereit bin, ihn aufzufangen?
Egal, wohin ich schaue, die Farben des Wassers werden trübe, neue Strömungen bilden sich, Strudel greifen nach den Fundamenten und reißen an ihnen. Aber ich bin der Felsen, der sich gegen die Brandung stemmen wird. Vielleicht bin ich blind oder zumindest verblendet in meinen Ansprüchen. Aber für die fünf Fische, die ich liebe, werde ich alles tun!
Hiermit möchte ich diesen Tag offiziell zurückgeben. Folgende Begründung:
- Die Reparatur des Unterwassermobils war alles andere als günstig (für dass, was getan wurde)
- Ein bereits gesäter Zwiespalt wurde durch extreme Düngung zu maximalem Wachstum und schließlich zur Explosion gebracht
- Da es sich um eine Kettenzwiespalt handelt, ist die Fortsetzung bereits anberaumt und fest datiert
- Der Psychofisch möchte sich (sehr sehr) viele Algensemmel kaufen und hat mich um eine wmilde Gabe gebeten
Das erfüllt die internationalen Unterwassertagesstornierungsbedingungen!
Eigentlich entspricht das nicht der Wahrheit. Der Irrfisch ist sich dessen bewusst, wenn er mit seinen ganz spezifischen Mitteln auf die Seepferdchen einwirkt. Jede Lüge, sei sie auch noch so durchschaubar und offensichtlich, hinterlässt einen Kratzer im Glauben. Das ist möglich, weil ein unzerstörbares Band zwischen den Seepferdchen und dem Irrfisch besteht. Ein Fluch in dieser Situation! Wenn sich die Bosheit gar gegen den Pferdefisch richtet, ist das durch nichts mehr entschuldbar. Aus purem Egoismus mit den Ängsten eines kleinen Fischs zu spielen, ist für mich ein Zeichen mentaler Zerrüttung, welches absolut inakzeptabel ist. Leider gibt es in diesen Unterwasserregionen keine Mittel und Möglichkeiten, die Wege des Irrfischs in vernünftige Bahnen zu lenken.
Auch für den Laptopfisch hat es Konsequenzen. Stets und seit Jahren in der undankbarsten Rolle, bricht über ihm ein Schwall nerviger Aussagen zusammen, die in ihrer Sinn- und Haltlosigkeit, einer Folter gleich, jeden Widerstand zermürben. Für mich ist das einfach nur schlimm aber die Seepferdchen können sich darauf verlassen, das ich unermüdlich dafür sorgen werde, diesem Treiben Einhalt zu gebieten. Vielleicht könnten sie dann auch ihre Augen öffen und sehen, was sich hinter der Bühne aus Lügen verbirgt.
Denn es gibt jemanden, der sie einfach nur anlächeln möchte um ihnen zu sagen, dass er sich sehr auf die großen Seepferdchen freut…
