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Meine letzten Zeilen liegen nun doch schon eine ganze Weile zurück und viel Wellen des Ozeans sind inzwischen an den Strand geschwappt. Was ist passiert? Das Beste natürlich zu allererst: der Pferdefisch ist in ruhige Gewässer geschwommen und kann sich nun den Schönheiten des Meeres widmen. Der Weg dahin war mehr als steinig und ich bin schon überrascht, dass die vereinigte Unfähigkeit doch zu einem akzeptablen Ergebnis führen kann. Besonders herausragend und zu nennen sind die Jugendamtsfische, die das Ihre dazu getan haben (und dass ziemlich überzeugend), ihre Institution in allen schlechten Klischees bis auf den letzten Punkt zu bestätigen. Nur der Verfahrensfisch blieb seiner Linie treu und ist der eherne Fels in der Brandung. Die Heimstatt der Seepferdchen steht nun auch kurz vor der Räumung und das ist für den Laptopfisch eine Katastrophe und vermutlich das einschneidenste Ereignis in seinem Leben. Er hat eine Entscheidung getroffen, die ich auch weiterhin respektieren werde und die mir Respekt abverlangt, weil sie quasi die Selbstaufgabe bedeutet. Aus dem Laptopfisch wird nun bald der Hauptstadtfisch. Der Chanelfisch hat die Kurve in den normannischen Gewässern gerade noch mal auf die Reihe bekommen und trägt sich nun mit ganz bodenständigen Gedanken, die mich sowohl überrascht, wie auch erfreut haben. Oft bewegt mich die Frage, wie er in diese, seine Welt gelangen konnte, die ihn so weit entfernt von meinen Werten treiben ließ. Es ist nicht schön, wenn man feststellt, dass die eigenen Vorstellungen hin und wieder nur Makulatur sind, die jeder Außenstehende einfach zerreißen kann. Zum Irrfisch gibt es nichts weiter zu bemerken. Er treibt so tief, dass es Zeitverschwendung wäre, seinem Gebaren, obwohl es von unfreiwilliger Komik geprägt ist, weitere Beachtung zu schenken. Dafür macht der Babyfisch nun eine Menge Freude und bildet, zusammen mit dem Pferdefisch, ein hervorragendes Team. Das ist schön anzusehen, weil es die eine Seele prägt und die andere heilt. So treiben wir alle auf unseren Strömungen dahin und ich bin sicher, dass sich die Spreu vom Weizen bald trennen wird und ein paar gravierende Entscheidungen fallen werden, die die Welt gerade rücken werden…
Manchmal liest von von Ereignissen oder schaut sich unglaubliche Vorfälle an. Es gibt Fische, jenseits aller Vorstellungen. Ein Eigenbild, dass nicht die Spur eines Kratzers zulässt. Egoistisches, dummes Gehabe zur Befriedigung der eigenen narzisstischen Ansprüche. Fische, die alles, aber wirklich alles opfern, nur um ihr eigenes Scheitern mühsam zu kaschieren. Sie schwimmen durch diese Welt, hängen am Tropf, der von außen genährt wird und wiegen sich in einem Erfolg, den sie nie hatten. Wie schrecklich müssen die Kindertage solcher Fische gewesen sein, um sie so zu einem Zerrbild eines Fisches zu machen? Was passiert, wenn ihre Welt, trotz permanenten Einsatzes, erste Risse bekommt? Wie lässt sich das mit der eigenen Unfehlbarkeit vereinbaren? Durch mehr Makulatur vielleicht? Ist das Wahnsinn oder Methode? Gewiss ist nur, es gibt keine Gewinner und alle verlieren einen Teil ihres Selbst.
Da wäre die R-Lösung viel einfacher und kostengünstiger gewesen…
Wider allen Erwartungen wird das Jahr noch Veränderungen mit sich bringen. Nicht, dass sich bisher nichts getan hätte. Auf der Haben-Seite ist eine Menge passiert (man beachte hier nur den Babyfisch!). Wer jetzt flugs an die Jurafische denkt, den muss ich leider auch enttäuschen. Sie unterliegen offensichtlich keinerlei temporärer Gesetzmäßigkeiten und bewegen sich im freien Raum (Wasser), was ihre Entscheidungsfähigkeit betrifft.
Es ist die Bleibe des Irrfischs und der beiden Seepferdchen, die sich nun verändern wird. Den Schmerz, den der Laptopfisch nun empfinden mag, kann ich mit keinem Maß der Welt auffangen. Er macht mich hilflos und traurig und wütend auf den Irrfisch, der nur in dieser einen zerstörerischen Strömung zu schwimmen weiß und noch immer überzeugt ist, dass alles, was er tut, recht und angemessen ist. Hier kommt jedwede Hilfe zu spät und somit trifft es die Seepferdchen mit aller Härte. Ich möchte Ihnen so gerne helfen, aber die Zeit dafür ist noch nicht reif, obwohl ein Lichtstreif bereits am Horizont existiert. Der Chanelfisch, inzwischen auf einer eigenen Strömung treibend und abgekoppelt vom Rest des Ozeans, wird nun seinen zweiten Versuch starten, dem Ursprung seiner Namensgeberin zu folgen. Ich wünsche ihm viel Glück, aber ich habe große Bedenken, dass auch er die Welt nicht sieht, wie sie ist. Habe ich tatsächlich so viel falsch gemacht? Aus zeitlicher Ferne, schauen viele Dinge einfacher aus. Nähert man sich ihnen, werden sie zu polternden Ungetümen, die sich zerstörerisch ihren Weg bahnen. Ich hoffe, es ist nicht zu spät…
Es gibt Tage, da fühle ich mich wie der Felsen in der Brandung. Souverän und unumstößlich trotze ich den Widrigkeiten des Lebens. Dann kommen andere Tage und ich spüre, dass die stete Brandung an mir nagt. Heute war es der Laptopfisch, der mich in seiner Traurigkeit und Frustration zutiefst erschüttert hat. Was nützt der härteste Fels, wenn er sich nicht bewegen und schützend vor den kleinen Fisch stellen kann? Warum gibt es keine Worte, die ich ihm sagen kann, um sein Herz zu öffnen? Er ist der tapferste, duldsamste, vernünftigste und traurigste der drei Fische. Seine Sicht geht weiter, als die des Chanel- und des Irrfischs zusammen. Sein Weg enthält die meisten Untiefen. Klaglos zieht er verlassen auf seiner Bahn dahin. Wie kann ich ihm nur sagen, dass ich stets an seiner Seite schwimme und bereit bin, ihn aufzufangen?
Egal, wohin ich schaue, die Farben des Wassers werden trübe, neue Strömungen bilden sich, Strudel greifen nach den Fundamenten und reißen an ihnen. Aber ich bin der Felsen, der sich gegen die Brandung stemmen wird. Vielleicht bin ich blind oder zumindest verblendet in meinen Ansprüchen. Aber für die fünf Fische, die ich liebe, werde ich alles tun!
Eine ganze Weile war es ruhig um den Schellfisch und tatsächlich, es ist ruhiger geworden. Eine trügerische Stille, weil ich ihr nicht traue. Aber auch wenn ich mit geschärften Sinnen nach vorne schaue, um das Ziel nicht eine Sekunde aus den Augen zu verlieren und gleichzeitig nach hinten, um die Seepferdchen nicht alleine zu lassen, so darf ich eines nicht vergessen: Auch neben mir gibt es zwei Fische, die wichtigsten, mit den Seepferdchen zusammen. Sie haben sich meinem Pfad durch das Meer angeschlossen. Jegliches Ausbrechen aus der Strömung, die uns gemeinsam treibt, hat den Kitafisch unendlich Kraft gekostet. Er ist kein Fisch der vorbestimmten Wege und trotzdem schwimmt er Flosse an Flosse mit mir. Das ist neu und unglaublich schwer für ihn. Es ist der kleine Nasenfisch, der ihm die Kraft dazu verleiht.
Es schmerzt mich sehr, an dieser Stelle nicht helfen zu können, noch nicht einmal im Ansatz eine Lösung parat zu haben, denn die gibt es hier nicht. Ich bin stolz, derjenige zu sein, dem der Kitafisch so unbedingt folgt. Ich bin zutiefst traurig, dem Kitafisch diese Last als ein ‘Geschenk’ der Vergangenheit aufgebürdet zu haben.
Die Welt ist voll von Klischees und sie sind alle wahr…
Ein Jahr nun ist es her, seit ich meine selbstgewählte Zwangsströmung verließ und in das große blaue Meer strebte. Unbeirrbar, mit kräftigen Flossenschlägen dachte ich, der Vergangenheit davonschwimmen zu können. Die Welt erschien neu und strahlend und das ist sie noch immer. Habe ich ein gehöriges Maß an Naivität, meine Vergangenheit betreffend, erfolgreich hinter mir gelassen, so weiß ich nun, dass dies keine Einbahnströmung ist. Auch wenn das Wasser mich klar und kraftvoll nach vorne treibt, darf ich nicht vergessen, dass die anderen Fische noch immer dem Einfluss des dunklen Stroms unterliegen. Das, was ich nun sehen kann, erscheint ihnen fremdartig. Natürlich!
Der Irrfisch ist hier die Konstante. Krank und böse, aber konstant in seinem Bestreben, Lüge und Schein als Maske zu tragen. Die Kreise der drei Seepferdchen sind weiter geworden, ihr Blick hat sich geöffnet aber es bedarf Zeit und Kraft, immer wieder zurückzuschwimmen, sie ein wenig nach außen zu tragen, um gleich wieder selber ins Licht zurückzukehren. Es ist ein Pendeln zwischen den giftigen Tentakeln der Medusa und der Welt, die von Liebe, Freude und Wahrheit bestimmt wird. Wo liegt das Maß für den Abstand, der das Band dehnt, jedoch nicht reißen lässt? Ein Schellfisch möchte immer für alle da sein, er nimmt das Leid lieber auf die eigenen Flossen, als es anderen zuzumuten. Wenn das alles nicht so funktioniert, wie er es sich wünscht, ist es für ihn persönliches Versagen.
Der Pferdefisch durfte eine Weile diese andere Welt schauen, die er so nie zu Gesicht bekommen hatte. Er hat es aufgesogen wie ein Schwamm. Hat es gestapelt, gelagert, gesammelt aber beiweitem nicht verarbeitet. Manchmal sind seine Gedanken so frei, dass es ein ungläubiges Staunen hervorruft. Aber manchmal ist er auch ein kleiner Pferdefisch, in dessen Vorstellung kein Stein auf dem anderen bleibt. Die alte Welt kann und darf keine Bleibe für ihn sein. Für die neue ist er noch nicht bereit und der Weg dahin ist gepflastert mit Strudeln und einer Menge Stromschnellen, an denen wir uns sehr oft verletzen werden.
Hat in der Vergangenheit der wachsame Blick auf den Irrfisch meine ganze Aufmerksamkeit beansprucht, so bahnen sich nun dunkle Strömungen aus einer ganz anderen Richtung an. Noch kann ich nicht sagen, welches Ungemach mir droht aber als echter Schellfisch malt mir meine Phantasie die schwärzesten Visionen und alle machen sie mich nur traurig. Der Kitafisch schwimmt ganz nah bei mir, egal wo er sich gerade aufhält. Auch die Welt der Seepferdchen wird sich ändern. Ich werde keine Mühen scheuen, ihre Bahnen weiter zu verfolgen. Vielleicht übertreibe ich ein wenig und schaue bloß dorthin, wo es dunkel ist. Vielleicht sollte ich meinen Blick dem Licht zuwenden, so wie es mir auch der Kitafisch rät. Aber es ist schwer, seinen größten Ängsten zu entfliehen.
Wie es auch kommen wird, es ist das Jahr der Veränderungen…
Neue Strömungen sind gut, neue Strömungen sind schön aber hin und wieder passt Fisch nicht auf. Dann kommt Treibholz angeschwommen und kreuzt den Weg. Fisch reagiert, wie er schon immer reagiert hat und ist prompt in eine dunkle Strömung abgetaucht. Natürlich taucht er sofort wieder auf aber was nun? Schüttelt er die Schuppen, bündelt seine eigene Betroffenheit nach innen? Oder versammelt er die Fische, löst auf, was alle längst zur Kenntnis nahmen? Die Chancen, die falsche Entscheidung zu treffen liegen hier weit über 50%. Halt ein schmaler Grat…
Wenn man jemanden den Namen Irrfisch gibt, dann doch nicht, weil es ein temporärer Zustand wäre. Da können Psychfisch und Jurafisch wild gestikulierend um ihn herumschwimmen. Auch sie können seine ‘innere Welt’ nicht erreichen und Lippenbekenntnisse, auch von einem Fischmaul, sind halt nicht von Dauer. Natürlich ist der Elvisfisch eine Steilvorlage für den Irrfisch. Aber auch hier wird sich alles wieder relativieren. Aber es ist die dauerhaftige Sinnlosigkeit der Situation. Es gibt einfach kein erreichbares Ziel und nur den Weg von etwas weg. Kann man sich etwas Unbefriedigenderes als eine derartiges Tagwerk vorstellen. Selbst Sisyphus wäre daran verzweifelt.
Aber ein Schellfisch wäre kein Schellfisch, wenn er jetzt verharrte. Das wird niemals eine Option sein und so geht es voran auf dem ungewissen Weg immer in der Hoffnung, dass jemand dem Irrfisch endlich das Handwerk legt. Natürlich wird das auf direktem Wege nicht passieren, aber die Zeit bringt viele Veränderungen und bis dahin werde ich alle liebenswerten Fische um mich scharen und wir werden gemeinsam weiterschwimmen. Die Gegenströmung wird für den Irrfisch stärker werden und er bleibt zurück. Dieser Richtung kann er nicht dauerhaft folgen, da bin ich sicher. Der Chanelfisch, der Laptopfisch, der Pferdefisch und der Elvisfisch werden immer das Zentrum des unendlichen Ozeans sein. Jeder hat dort seinen unvergänglichen Platz!
Ich mag Mikado! Unter Wasser ist es nicht wesentlich anders zu spielen und die Regeln sind die gleichen. Gerade jetzt habe ich den Eindruck, mein Leben besteht aus diesen vielen bunten Stäbchen. Am Anfang schien alles ganz stabil. Dabei merkte ich gar nicht, dass jedesmal, wenn das fragile Gebilde einzustürzen drohte, von unsichtbarer Hand heimlich ein Stäbchen hinzugefügt wurde. Die spannende Frage hierbei ist nur, wollte oder konnte ich es nicht sehen? Müßig, darüber jetzt zu philosophieren. Letztendlich stürzten die Stäbchen in einem wilden Beben auseinander. Unmöglich, den alten Zustand zu rekonstruieren. Aber das möchte ich auch gar nicht. So viel Mühe wie ich mir gegeben habe, eine viel schönere, modernere Konstruktion zu entwerfen. Die untauglichen Hölzchen wurden entfernt, was nicht einfach war. Ein paar neue kamen dazu und schon bald hatte ich den Eindruck, alles passe auf natürliche Art zusammen. Aber man soll den Tag wohl nicht vor dem Abend loben. Die Sonne, wenn sie hinter dem Horizont des Meeres versinkt, verschwindet ja auch nicht tatsächlich in den dunklen Tiefen.
Gerade jetzt ereilt mich die Erkenntnis, dass jedes Wackeln an der einen Seite, auch eine Bewegung auf einer ganz anderen nach sich zieht. Ich finde das ist nicht schlimm, aber es verstößt wohl gegen die Regeln. Ein wenig hatte ich gehofft, dass der neue Plan auch neue Regeln beinhaltet…
