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In den vergangenen 18 Monaten gab es für den Schellfisch eine Menge Erlebnisse. Viele waren ganz toll und schufen unglaubliche, erfüllte Stunden. Aber da gab es auch viel pechschwarzes Wasser, das immer wieder meinen Weg kreuzte.  Auch hier ein (negatives) Highlight nach dem anderen.  Aber nun hat sich die Clique der berufenen Problemlösungsfische in ganz neue Höhen (oder besser Tiefen) begeben. Zuvor drängten sie mich übergangsweise in den Untergrund, von dem aus der Schellfisch nun als Partisan weiterkämpfen wird.

Also begab es sich, dass der Richterfisch, aka Jurafisch,  die Anwaltsfische, der Irrfisch, der Jugendfisch und der Verfahrensfisch sich erneut auf dem Schlachtfelde trafen.  Zugegen auch der Pferdefisch, der sich gar wacker geschlagen hat und alle, außer dem Irrfisch und dessen Anwaltsfisch, von seiner Redlichkeit überzeugen konnte.  Eine Qualität hat der Irrfisch jedoch. Es ist ihm tatsächlich gelungen, seinen getrübten Blick und seine Einbahnströmungsansichten genetisch auf seinen juristischen Begleitfisch zu übertragen.  Sollte es sich um einen ansteckenden Virus handeln, ist Ebola ein harmloser Schnupfen dagegen.  Nur der  Verfahrensfisch bewies Standhaftigkeit in dieser Inszenierung einer Farce.  Der Richterfisch wand sich wie ein Aal  und muss nun wohl doch seinen Eid brechen, niemals eine Entscheidung im Amte zu treffen.  Allerdings bedingte er sich dafür eine Aufschub aus, um sich mental auf dieses für ihn unglaubliche Ereignis einzustellen.

Ich wage kaum zu hoffen, dass der Richterfisch über die goldene Brücke tatsächlich geht, die ihm der Verfahrensfisch gebaut hat. Was wären wir ohne ihn?  Bald werden wir es wissen. Eins stimmt mich jedoch sehr zuversichtlich, der Pferdefisch ist in der Bahn und von dort holt ihn niemand mehr zurück.

… denn da gehört er hin!  War ich bisher der Meinung, seine Bösartigkeit habe bereits alle Gipfel menschlicher Abgründe erklommen, wurde ich jetzt eines Besseren belehrt.  Aus seinem blinden Wahnsinn heraus, wünscht er aus der Ferne dem Babyfisch eine Krankheit.  Diese böse Lachen, welches diesem Fluch folgte, hat auch mich wieder erschüttert und erneut erkennen lassen: der Irrfisch kennt keine Regeln! Hatte ich bereits erwähnt, dass er auf der international anerkannten Liste mit Kriterien für Psychpathenfische gute Chancen hätte, einen vorderen Platz einzunehmen? Wenn ja, wiederhole ich mich gerne und denke, das inzwischen die meisten Kriterien erfüllt sind.  Vermutlich könnte ihm selbst ein  Psychofisch nicht mehr helfen.  Mich gruselt es, wenn ich bedenke, wie lange ich, vertrauensvoll und naiv, diesen düsteren Intrigen erlegen war.

Es ist immer wieder sehr ernüchternd festzustellen, dass der Irrfisch, trotz seiner offensichtlichen Verfehlungen über so viel Macht verfügt.  Mit wenigen Einflüsterungen kann er das Leben vieler anderer Fische beeinflussen. Natürlich ist es in erster Linie der Pferdefisch, der den vergifteten  Worten weder widerstehen kann noch will.  Wie denn auch?  Wie spielt man gegen jemanden, der keine Regeln befolgt?  Sich auf dasselbe niedrige Niveau zu begeben heißt, die Seepferdchen auf dem Altar der Gerechtigkeit zu opfern.  Niemand würde das tun.  Ich glaube jedoch noch immer, dass sich das Licht durchsetzen wird und die Dunkelheit besiegt. Aber es wird nicht einen Deut leichter, zu kämpfen und Wut und Frustration zu schlucken. Viele Fische arbeiten daran, gerade dem Pferdefisch zu zeigen, wie die Welt unter Wasser tatsächlich aussieht und das Lügengespinst des Irrfischs zu zerreissen.  Es wird noch eine Weile dauern, aber es wird passieren. In dieser Zeit leben und schwimmen wir weiter. Erkunden den Ozean und verschwenden keinen überflüssigen Gedanken an den Irrfisch, der sein Dasein vor langer Zeit verwirkt hat!

In den letzten beiden Tagen passierten erstaunliche Dinge.  Der Pferdefisch tritt nun seine einwöchige Strudeltour durch die thüringische Gewässer an.  Er freute sich schon sehr auf die beiden Seehunde und auch auf den Marathonfisch und die beiden Grandfische.  Ganz spannend wurde es jedoch, als auch der Laptopfisch und der Chanelfisch sich uns anschlossen. Gut, sie drehen nur eine Runde durch die gebirgigen Wässer.  Es war ein Anblick reinster Freude und Gelöstheit. Ein Moment perfekter Idylle, gäbe es da nicht noch den Irrfisch, der alle Erdenkliche tut, aus der Ferne dieses Glück zu zerstören. Sein Einfluss ist unheimlich und nur die vereinte Macht aller anderen Fische kann ihm Einhalt gebieten.  Wie schlimm muss es um diesen Fisch stehen, wenn er auch nicht davor zurückschreckt, niederste Instinkte auzuspielen.   Er spürt, dass seine Zeit im schwinden begriffen ist und teilt nach allen Seiten aus.  Konstant nur in seiner Unberechenkeit.  Es ist ein armer, kranker Fisch, der seinen  Irrsinn nicht erkennt und stets die Welt nur durch die Brille des Chaos betrachtet.  Dabei übersieht er, dass auch die Seepferdchen immer mehr erkennen, dass er Hilfe benötigt und sie seinen Worten keinen Glauben mehr schenken dürfen. Es ist schlimm für sie und auch ich fühle mich schuldig daran. Schuldig, es nicht verhindern zu können. Schuldig, mich nicht schützend vor sie stellen zu können.  Aber ich werde immer für meine vier Seepferdchen zur Stelle sein, wenn sie mich brauchen!

Eigentlich entspricht das nicht der Wahrheit. Der Irrfisch ist sich dessen bewusst, wenn er mit seinen ganz spezifischen Mitteln auf die Seepferdchen einwirkt. Jede Lüge, sei sie auch noch so durchschaubar und offensichtlich, hinterlässt einen Kratzer im Glauben. Das ist möglich, weil ein unzerstörbares Band zwischen den Seepferdchen und dem Irrfisch besteht. Ein Fluch in dieser Situation! Wenn sich die Bosheit gar gegen den Pferdefisch richtet, ist das durch nichts mehr entschuldbar. Aus purem Egoismus mit den Ängsten eines kleinen Fischs zu spielen, ist für mich ein Zeichen mentaler Zerrüttung, welches absolut inakzeptabel ist. Leider gibt es in diesen Unterwasserregionen keine Mittel und Möglichkeiten, die Wege des Irrfischs in vernünftige Bahnen zu lenken.
Auch für den Laptopfisch hat es Konsequenzen. Stets und seit Jahren in der undankbarsten Rolle, bricht über ihm ein Schwall nerviger Aussagen zusammen, die in ihrer Sinn- und Haltlosigkeit, einer Folter gleich, jeden Widerstand zermürben. Für mich ist das einfach nur schlimm aber die Seepferdchen können sich darauf verlassen, das ich unermüdlich dafür sorgen werde, diesem Treiben Einhalt zu gebieten. Vielleicht könnten sie dann auch ihre Augen öffen und sehen, was sich hinter der Bühne aus Lügen verbirgt.
Denn es gibt jemanden, der sie einfach nur anlächeln möchte um ihnen zu sagen, dass er sich sehr auf die großen Seepferdchen freut…

Ich bin erstaunt, gar entsetzt, wie schnell ich geneigt bin, einem scheinbaren Burgfrieden zu trauen. Nur weil man die Termiten nicht hört heißt es nicht, dass sie nicht alles unterhöhlen und zum Einsturz bringen werden. Genau das ist aber die Taktik des Irrfischs. Seine Welt besteht aus Lügen, Drohungen und perfidem Wahnsinn. Eine Kombination eines Horrorstreifens würdig. Nur dass in diesem Streifen die Seepferdchen die Opfer sind und der Pferdefisch im Augenblick sehr stark sein muss. Aber auch sein Mut, seine Standhaftigkeit und seine unglaublich optimistische Lebenseinstellung scheinen zu bröckeln. Alle offiziellen Fische schauen auf das Spektakel und jeder wähnt den anderen in der Pflicht und so passiert, wie sollte es anders sein, NICHTS! Um das Böse zu finden muss ich keinen King lesen oder einen Horror-Streifen anschauen. Das geht viel einfacher. Alleine die Aura des dunklen Irrfischs ist vollgesogen mit zerstörerischen Gedanken und paranoidem Gehabe. Wie kann man so etwas ertragen? Ich konnte es nicht und schwamm davon. Die Seepferdchen haben diese Option nicht. Ich hoffe sehr, dass sie auch weiterhin ihre Kräfte vereinen und auch den schwächsten von ihnen, den Pferdefisch, nicht aus den Augen lassen.
Eines Tages wird der Irrfisch erkennen, was er alles getan hat und diese Erkenntnis wird ihn bis in seine Grundfesten erschüttern. Aber auch der Schellfisch trägt viele Narben davon und er darf sich nicht beklagen. Lange, viel zu lange, hat er dem Treiben tatenlos zugeschaut und nun erntet er die Früchte aus bleigrauer Zeit.

Der Irrfisch ist unbelehrbar! Nachdem ihm der Jurafisch die Strömung gewiesen hatte, glaubte ich, vielleicht war es auch mehr ein Wunsch, dass sich die Wasser für die Seepferdchen, insbesondere den Pferdefisch, ein wenig aufhellen würden. Aber ich hatte nicht mit der vom Wahnsinn getriebenen Bösartigkeit des Irrfischs gerechnet. Immer wieder verfalle ich dem Irrtum, die Talsohle allen Übels wäre bereits erreicht und immer wieder belehren mich düstere, aufgewirbelte Schlammmassen, eines Besseren. Für ein paar Minuten, Minuten die eine Ewigkeit wähnten, stockte mir der Atem und die Kiemen standen reglos still. Ich konnte es nicht fassen, die Tragweite nicht ermessen aber dann fühlte ich nur noch den Schmerz. Es war nicht mein Schmerz, es war die Zerrissenheit des Pferdefischs und es gibt nichts, was mich mehr verletzen könnte. Kann dem niemand Einhalt gebieten? Alle offiziellen Blicke sind vage, unbestimmt und abwartend. Abwarten worauf? Auf das Unaussprechliche? Ich will darauf nicht warten, will keine tiefen Narben auf junger Seele, keine Angst in den Augen und kein Flehen mehr im Blick.
Toll, wie sich alles selber organisiert, ohne die Betroffenen zu sehen, geschweige denn, ihnen zu helfen und den Spuk zu beenden. Irgendwann werde ich das alles niederschreiben und dem Bösen einen Namen geben…

Eigentlich möchte ich heute gar nicht schreiben. Eigentlich möchte ich den Tag am Vormittag angehalten haben. Die Stunden gleiten mir durch die Finger und nun schwimme ich durch sich eintrübendes Wasser. Es ist ein Schreckensbild in der Ferne aufgetaucht. Etwas, dass ich so nicht für möglich gehalten habe. Ganz tief drinnen hoffe ich, dass es sich um eine Fata Morgana handelt, aber all meine Erfahrungen beteuern das Gegenteil. Morgen um diese Zeit werde ich rückwirkend zu dieser Zeit sagen, dass ich mich geirrt habe oder dass ich es wusste. Ich hoffe auf ersteres, natürlich! Immer wieder wird mir dann schmerzlich bewusst, dass, wenn man das Schicksal aus der Hand geben muss, nie wirklich sichergestellt ist, dass sich alles zum Guten wendet. Noch ist nichts entschieden, eine Entscheidung noch nicht einmal angedacht und doch werde ich das Gefühl nicht los, nicht genügend getan zu haben. Ich sehe den verständnislosen Blick des Laptopfischs, die verstohlenen Zeichen des Pferdefischs und den Frust und Ärger des Chanelfischs. Alle sind sich einig und nur der Irrfisch schwimmt in die falsche Richtung. Es ist, als würde man nicht den Geisterschwimmer aus dem Strudel ziehen sondern alle Fische, die sich in die richtige Richtung bewegen. Was für eine furchtbare Vorstellung. Ich werde diesen Gedanken, bis zum Beweis des Gegenteils, ganz weit nach hinten verbannen…

Ich bin einfach nur schockiert! Wahnsinn in unmittelbarer Nähe zu erleben ist dramatisch. Die einzige Steigerung, die mir dazu noch einfällt ist, die Seepferdchen daran teilhaben zu lassen. Genau dies ist heute passiert! Ich bin noch immer fassungslos, welche abgrundtiefe Bosheit hier an die Oberfläche dringt. Sie war latent vorhanden, ich habe es nicht sehen wollen und werde mich bis ans Ende meiner Tage fragen müssen, weshalb ich meine Augen davor verschloss. Aber ich werde um den Pferdefisch kämpfen, nicht zulassen, dass seine Welt in Scherben bricht, nicht zulassen, dass auch der Laptopfisch weiter Tränen vergießen muss und der Chanelfisch den Glauben an Recht und Ordnung komplett verliert. Nachher kommt der Jurafisch und wird die Seepferdchen treffen. Vermutlich wird der Irrfisch wieder panisch vor dem Höhleneingang auf und ab schwimmen und darauf warten, hereinzustürmen und die Seepferdchen ihrer Verfehlungen zu bezichtigen.

Update:

Der Jurafisch hat mit zwei der Seepferdchen gesprochen und der Irrfisch konnte weder dabei sein noch plötzlich hereinplatzen. Das war wohl schrecklich für ihn, seine verquere Sicht auf die Wasserwelt nicht verlautbaren zu können. Inzwischen haben alle offiziellen Fische bemerkt, dass der Irrfisch ziellos durch die Wasser treibt, Schlamm ohne Ende aufwirbelt und darauf hofft, damit die Augen und Kiemen der anderen Bewohner verstopfen zu können. Aber sowohl der Trainerfisch als auch der Zwillingsmutterfisch sehen dass nicht so und das beruhigt mich ein wenig. Manchmal zweifle ich, ob mein Anspruch an Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit einfach zu hoch und nicht von dieser Welt ist. Beträfe es nur mich, wäre es egal. Aber die Seepferdchen müssen diese giftige Dunstwolke so schnell für möglich verlassen.
Noch zwei Tage…

Mit Erstaunen aber wenig überrascht kann ich nun auch resümieren, dass der Irrfisch von der Sorte ‘Ilsebil’ ist. Ihr kennt doch bestimmt den aus dem Märchen bekannten Spruch? Also hier haben wir die ideale Kombination von Habgier, Dreistigkeit, Beschränktheit und Unvermögen. Eine Mischung, die eigentlich gute Chancen für einen gesellschaftlichen Aufstieg in sich birgt. Eigentlich könnte ich stolz sein, solch ein Referenzexemplar gekannt zu haben. Aber das ginge dann doch ein wenig zu weit. Aber manchmal bin ich wirklich beeindruckt, wie weit sich ein Fisch, sei es auch ein Irrfisch, selber betrügen kann. An jedem Platz, an dem er vorbeigeschwommen ist, hat er auch studiert. Unglaublich, was man so im Vorbeigehen alles schaffen kann und ein Vorbild für alle anderen Fische, die gerade mal die eine oder andere Ausbildung geschafft haben. Besonders hervorzuheben die Fähigkeit, sogar rückwirkend seinen Job ausüben zu können. Das sind hervorstechende Merkmale von Fischen der nächsten Generation.
Dumm nur, dass alle anderen merken, dass es nur der Schein ist, der hier wirkt und hinter der Fassade sich nur Leere verbirgt…

Date Fisch

Mai 2012
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